Waldbau und Waldbewirtschaftung in Zeiten des Klimawandels

Antrag LDK Grüne NRW 2019, Vers2

Auf dem Weg zu einem neuen Leitbild:

Waldbau und Waldbewirtschaftung in Zeiten des Klimawandels

Die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich seit dem vergangenen Jahr auch

im Wald besonders deutlich. Wetterextreme wie die Stürme im Frühjahr 2018 und

2019, die lang anhaltende Hitze und der ausbleibende Niederschlag haben enorme

Auswirkungen auf die Waldökosysteme gezeigt, so dass sich in den Nadelwäldern

der Borkenkäfer auch in NRW so massiv ausbreiten konnte wie noch nie. Inwiefern

auch die Laubwälder betroffen sind, wird sich erst im Laufe diesen Jahres zeigen.

Für viele Menschen, auch für viele Waldeigentümer*innen, ist dieser Sommer der

wegweisende Aufruf, den Klimawandel ernst zu nehmen und die

Waldbewirtschaftung und die Waldentwicklung dem anzupassen. Wir GRÜNE

werden den Diskurs mit Fachleuten verstärkt führen. Mit einem Waldkongress im

zweiten Halbjahr 2019 werden wir konkrete Handlungsempfehlungen thematisieren,

um Lösungen für diese Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte zu entwickeln.

Allerdings können wir uns den Herausforderungen, denen sich die

Waldbesitzer*innen aller Eigentumsarten bereits jetzt gegenüber sehen, nicht

verschließen. Ihre Entscheidungen müssen gut überlegt sein, um bei der

Aufarbeitung betroffener Bestände nicht die zukünftige Waldentwicklung zu

schädigen. Sicher ist nur, dass die Fichte aufgrund der klimatischen Entwicklungen,

der Extremwetterereignisse, nicht mehr geeignet ist, als „Brotbaum“ der

Forstwirtschaft zu fungieren. Sicher ist auch, dass es ökologisch nicht vorteilhaft

gewesen ist, großflächig auf monokulturellen Anbau einer Baumart zu setzen. Es

wird mehr und mehr deutlich: Das Ziel klimaplastischer Wälder ist ein diversifizierter

Mischwald mit möglichst heimischen (Laub-)Baumarten.

Übergeordnete Ziele einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung und -politik sind:

• Beitrag zum Klimaschutz und Steigerung der Anpassungsfähigkeit an die

Auswirkungen des Klimawandels,

• Erhalt und Entwicklung der biologischen Vielfalt (Naturwald, Waldwildnis)

• nachhaltige Produktion von Holz,

• Sicherung von Arbeitsplätzen,

• langfristige Sicherung der Wald- und Waldrandflächen und

• Gewährleistung der Zugänglichkeit für Erlebnis- und Erholungssuchende.

Die Wiederaufforstungserfahrungen nach dem Sturmereignis Kyrill vor mittlerweile 12

Jahren haben deutlich gemacht, wie es nicht geht: Viele Waldbesitzer*innen setzten

weiter monokulturell auf die Fichte oder Douglasie. Die wenigen, die mit anderen

Baumarten (Weisstanne, Buche, Ahorn, Roteiche, Küstentanne, Esskastanie) ihre

Wälder anreicherten, mussten erleben, dass ein nicht angepasster zu hoher

Wildbesatz häufig alle Bemühungen zunichtemachte.

Wir GRÜNE wollen, dass die Waldbesitzer*innen in den kommenden Monaten nicht

allein gelassen werden. Sie benötigen fachlich qualifizierte und unabhängige

Unterstützung und Beratung.

Wir GRÜNE wollen in Zukunft naturnahe Wälder und eine naturnahe

Waldbewirtschaftung. Für die Waldbesitzenden müssen praxisnahe

Fördermöglichkeiten entwickelt werden, die die forstlichen Zusammenschlüsse (z.B.

Forstbetriebsgemeinschaften, Waldgenossenschaften) stärken und für die

Waldbesitzenden einfach umzusetzen sind.

Wir GRÜNE wollen, dass der Kampf gegen den Klimawandel massiv verstärkt wird –

denn den Wald und das Klima können nicht die Waldbesitzenden allein retten,

sondern es bedarf einer großen gesellschaftlichen Kraftanstrengung. Diese

Kraftanstrengung wird weit über Waldbau- und Landnutzungsfragen hinausgehen

müssen.

Wir GRÜNE fordern die Landesregierung im Bezug auf den Umgang mit dem Wald

auf:

– Im Staatswald einen Wald und eine Waldbewirtschaftung zu etablieren, die

sich an dem Lübecker Modell (naturnahe Dauerwaldbewirtschaftung)

orientiert;

– eine Ausweitung des Wildnisprogramms;

– In den regelmäßig erscheinenden Waldzustandsbericht sollte die

Entwicklung der Biodiversität und der Zustand der Böden mit

aufgenommen werden

– für Waldbesitzer*innen, insbesondere Klein- und Kleinstwaldbesitzer*innen,

sowie für Körperschaftswald Konzepte zu erstellen, wie der Umbau auf

naturnahe Dauerwaldbewirtschaftung/ökologische Waldbewirtschaftung

unterstützt werden kann;

– den Vertragsnaturschutz zu stärken;

– Erarbeitung von Richtlinien zur FFH konformen Bewirtschaftung /Stärkung

des Waldnaturschutz;

– Massnahmen zu entwickeln, dass die Wildbestände stärker reguliert und

an ein wald- und naturverträgliches Maß angepasst werden;

– Ein Wald(aus)bildungszentrum zu gründen, in dem verstärkt ökologische

und klimatologische Zusammenhänge in den Ausbildungsgängen und der

Weiterbildung der Wald/Forstwirtschaft gelehrt werden und/oder

bestehende Institutionen auszubauen;

– Die Ausbildungsgänge und die Bezahlung für Waldarbeiter*innen zu

verbessern, um genügend fachlich qualifiziertes Personal für die

anspruchsvollere Waldarbeit der Zukunft zu gewinnen;

– Kurzfristig ein Konzept zur landesweiten Bereitstellung von

Nasslagerplätzen zu erstellen, diese Plätze herzurichten und den

Unterhalt zu finanzieren (die Kosten für die Einlagerung von Holz

zumindest teilweise finanzieren);

Antragssteller:

Jan Boomers (KV Solingen

Arnd Kuhn (KV Rhein Sieg)

Jutta Velte (KV Remscheid)

Thomas Rabe (KV Münster

Gregor Kaiser (KV Olpe)

Seb Schäfer (KV Oberberg)

Wolfhard von Boeselager

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